SWISSINFO: BETREIBT DIE SRG HOFBERICHTERSTATTUNG OHNE AUFTRAG?


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Die SRG schreibt seit einiger Zeit unter dem Dach von Swissinfo über Fintech. Fintech ist eine Wortkreation aus Finance und Technology. Damit sind Innovationen im Finanzsektor wie beispielsweise Bezahlapps auf Smartphones usw. gemeint. Und Fintech-Themen sind momentan topaktuell. Dafür hat die SRG unter dem Dach Swissinfo Online sogar einen eigenen Hub Names „Fintech Switzerland“ eingerichtet. In grosser Eile, und definitiv ohne Auftrag des Volkes oder des Bundesrates.

Ja, diese Sparte läuft sogar so gut, dass die SRG dafür eine neue Stelle geschaffen hat und dieses Jahr exklusiv für „Fintech Switzerland“ auf Swissinfo einen erfahrenen Journalisten zu 100% anstellte. Dieser ist zwar kein Schweizer, aber das ist ok und tut der angestaubten SRG sicher gut. Dies ist auch nicht der Stein des Anstosses und der Grund dieses Artikels. Etwas merkwürdiger mutet dann doch an, dass die meisten verfassten Artikel nicht in einer der 4 Landessprachen verfasst sind, sondern in English. English ist aber in fast allen Schulen der Schweiz mittlerweile eine obligatorische Fremdsprache und oft sogar die erste Fremdsprache. Und vielleicht wird ja Englisch auch einmal eine offizielle Amtssprache, wer weiss. Die Wahl der Sprache ist also auch noch halbwegs vertretbar, zumal in der Finanzwelt Englisch ganz klar die Sprache der Wahl ist.

Was eher nachdenklich stimmt, ist der Inhalt. Der Auftrag der SRG ist ausformuliert und da steht defintiv nirgends drin, dass die Schweiz mit Schweizer Steuergelder eine online Zeitung für die Finanzbranche betreiben soll. Und wenn die SRG Journalismus betreibt, dann soll das richtiger Journalsmus sein. Leider hält sich die SRG nicht daran und betreibt auf Swissinfo schamlose Hofberichterstattung für die Grossbanken und deren aktuellen und früheren Kapitäne. Mit Hofberichterstattung sei die kritiklose Veröffentlichung von Informationen gemeint. Eine gefällige Berichterstattung im Interesse von Grossbanken, CEOs, Politikern, Parteien, Verbänden oder Institutionen die der SRG nahe stehen.

Da die SRG von Geldern des Staates lebt, sind viele Dokumente öffentlich einsehbar. Es ist also bekannt wer dieses Unternehme leitet und wie diese Organisation strukturiert ist. Man findet auch Angaben über die Unternehmensstrategie und Unternehmenskutlur. Und natürlich last but not least: Den ausformulierten Auftrag, den die SRG vom Bundesrat und Volk erhalten hat:

Die SRG ist ein nach Aktienrecht geführter privater Verein, der ein Medienunternehmen betreibt. Wir erfüllen auf der Grundlage von Verfassung, Gesetz und Konzession einen gesellschaftlichen Auftrag. Dafür erhalten wir Geld aus den Einnahmen der Radio- und Fernsehgebühren.

Da sucht man jetzt den konkreten Auftrag für das Angbot von Swissinfo allerdings vergeblich. Swissinfo verordnet sich selber in diesem Hauptpunkt:


„Umfangreiche Angebote in den drei grossen Sprachregionen, ein angepasstes Angebot auch für die rätoromanische Schweiz, ein Onlineangebot für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer“

Stichwort Auslandschweizer. Das Angebot von Swissinfo soll sich also in erster Linie an Auslandschweizer richten. Nun gut, überlegen wir mal, was interessiert denn einen im Ausland lebenden Schweizer am ehsten? Wahrscheinlich Themen wie sie das Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) publiziert: Reisehinweise und Hinweise zu politischen und wirschaftlichen Gegebenheiten im Ausland. Und ja, sicher auch Themen wie Gesundheit: „Welche Krankenkasse ist für einen im Ausland lebenden Schweizer geeignet? “ Oder aber auch: „Wie geht ein Auslandschweizer zur Urne?“, „Wie bezieht ein Auslandschweizer AHV, Pensionskasse usw.“ Und ja, vielleicht noch weitere Angaben zu Öffnungszeiten von Schweizer Botschaften und dergleichen. Oder um eine konkrete Thematik anzusprechen die wirlich topaktuell ist und die Finanzbranche betrifft: „Wie erhält man als Auslandschweizer ein Schweizer Bankkonto?“ Ja, diese Frage ist topaktuell und es ist praktisch unmöglich als Auslandschweizer ein Schweizer Bankkonto zu betreiben oder zu eröffnen. Es gibt auf der ganzen Welt verteilt 700’000 Auslandschweizer. Und für diese ist die Luft dünn geworden in Sachen Schweizer Bankkonto. Viele Banken und insbesondere die Staatsbank Postfinance verweigert im Ausland lebenden Schweizern ein Bankkonto. Über das Thema Auslandschweizer und Bankkonto berichtet Swissinfo mittlerweile. Aber nur, weil es dieses Thema in die Politik geschafft hat. Entdecken und zur Sprache bringen musste dies allerdings eine Zeitung wie die Basler Zeitung: Banken machen Schweizern im Ausland das Leben schwer.

Swissinfo hat also noch sehr viel Potenzial und vielleicht weiss die Redaktion bei Swissinfo nicht mal selber genau, was eigentlich ihr Auftrag noch wer die Zielgruppe ist. Denn weiter unten im Auftrag an die SRG steht dann nur noch lapidar:

Einen mehrsprachigen Onlinedienst für das Ausland (swissinfo.ch)

Was aber definitiv nirgends steht, man soll Hofberichterstattung für Presseagenturen und Grossbanken betreiben. Artikel wie beispielsweise „Cryptoasset start-up backed by Swiss banking heavyweights“ ist nichts anderes als das Wiederkäuen von PR für Ex-UBS-Banker und dessen Investement Fonds. Darin enthalten ist kein einziger Kritikpunkt, es ist reine Werbung. Hofberichterstattung eben. Wenn das private Verlage und Medienhäuser machen oder Firmenblogs, dann ist das ja ok. Aber derartigen „Journalismus“ entspricht defintiv nicht der Journalistischen Ethik wie sie in der SRG grossgeschrieben wird.

Mittlerweile sendet Swissinfo in zehn verschienden Sprachen, unter anderen auf Russisch, Portugiesisch und Chinesisch. Ja im März 2017 hat Swissinfo sogar Smartphone Apps für Android und iOS herausgegeben. Swissinfo schreibt im Jahresbericht 2017 zum Thema Ausbau:

Das Beispiel der portugiesischen Sprache bedeutet, dass eine Sprache allein nicht mehr ausreicht, um Userinnen und User direkt anzusprechen und der enormen Konkurrenz im Internet standzuhalten, uns unverzichtbar zu machen und herauszuragen. Das hat für die internen Organisationsabläufe direkte Konsequenzen. Wir bauen Fachredaktionen mit Expertise auf, die sich als Kompetenzzentren kontinuierlich und mit Fachwissen um Themenbereiche wie Genève internationale, direkte Demokratie, Aussenbeziehungen, Klima, Fintech usw. kümmern. Wir gewinnen so an Qualität, an Effizienz, da die Themen bekannt sind, und haben eine Möglichkeit, weiter auch international gelesen zu werden und relevant zu sein.

Swissinfo ist ein riesengrosser Medienapparat und verschlingt jährlich sicher an die 100 Millionen Franken oder mehr, wenn man die Kosten für Webseiten, Podcasts und Apps richtig berechnet. Der Umsatz für den online Auftritt Swissinfo.ch alleine ist im Jahr 2017 mit 18 Millionen ausgewiesen und dieses Jahr wird es definitiv mehr sein:

Da darf man doch einmal die eine oder andere kritische Frage und vielleicht gar Forderung stellen. Es wäre zu wünschen, würde Swissinfo sich etwas gezielter auf den eigenen Auftrag fokussieren. Schön wäre auch mal die eine oder andere Hintergrundberichterstattung über die Grundlagen von bsp. Open Source Software wie Bitcoin und anderen Digitale Währungen. Insbesondere auch Digitale Währungen und Communities, welche keine Grossbank oder Investement-Gesellschaft im Rücken haben. Denn diese Ansätze und Baukästen legen das Fundament, worauf die Zukunft gebaut wird.

Und dazu könnte man dann auch digitale Inhalte für Schulen und Interessierte zur Verfügung stellen. Am Besten unter Creative Commons-Lizenz. Denn was von allen bezahlt wird, soll von allen genuzt werden können. Aber in erster Linie darf am Inhalt gearbeitet werden.

Wir wünschen Beiträge die bilden; Beiträge die nicht den Presseagenturen und den Grossbanken, sondern in erster Linie dem Lesenden Nutzen stiften — egal ob Inland- oder Auslandschweizer.

Quellen

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